1+1=3 minus 50% Rabatt + 1,50 Bonus

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht. Die Einkäufer in Kliniken benötigen dringend Kurse für höhere Mathematik, um die Einkaufspreise zu verstehen!

Stellen Sie sich vor, Sie gehen morgens zum Bäcker und die nette Verkäuferin berät Sie bei Ihrem Einkauf folgendermaßen: “Sie möchten 8 normale Brötchen kaufen? Darf ich Sie auf unser heutiges Sonderangebot hinweisen? Wenn Sie 10 Brötchen nehmen, sparen Sie 25 %. Wenn sie diese Brötchen aber gemischt nehmen, dann sparen Sie 27 % und Sie bekommen eine Laugenstange im Wert von 80 Cent kostenlos dazu. Dieses Angebot können Sie aber nicht zusammen mit unserem Treue-Kunden-Programm nutzen. Als Neukunde bekommen Sie 1 EUR Bonus für jede 6 EUR Einkaufswert vor Abzug der Rabatte der Sonderaktion und einen kostenlosen Kaffee ohne Milch und Zucker als Naturalrabatt”.

Vermutlich würden Sie die Verkäuferin zunächst komplett verwirrt ansehen und dann die Frage stellen, was das denn eigentlich soll.

Szenenwechsel. Sie sind Einkäufer/in in einem Krankenhaus und kaufen Medikalprodukte ein. Dann wäre die Erfahrung aus der Bäckerei sehr viel wert, denn die Konditionsmodelle mancher Anbieter sind so komplex, dass die Verkäufer teilweise die eigenen Preismodelle selbst nicht verstehen. Es gibt den Mengenrabatt,  den Grundbonus und den Steigerungsbonus auf Gesamtumsatz oder nur auf Teilbereiche, Sonderrabatte auf einzelne Produktgruppe und Produkte, den Logistikbonus, den Technologiebonus und den Treue-Kunden-Bonus. Für Neukunden gibt es besondere Neukundenangebote. Es können auch hochkomplexe “Potentialverträge” abgeschlossen werden, mit unterschiedlichen Laufzeiten. Die Rabatte und Boni sind teilweise kombinierbar. Und dies alles nur bei einem Anbieter!

Die Einkäufer in den Krankenhäusern möchten aber eigentlich nur wissen, was das gesuchte Produkt einfach kostet. Bei mehreren hundert Lieferanten, die eine Klinik beliefern, wäre der Einsatz von künstlicher Intelligenz im Einkauf sehr dringlich, damit die Einkäufer diese einfache Preisfrage ohne besondere Kenntnisse der höheren Mathematik beantwortet bekommen. Eine echte Chance für Watson…

Böse Zungen behaupten, die komplizierten Konditionsmodelle haben nicht zum Ziel, die Verbindlichkeit des Kunden zu honorieren, sondern die Einkaufsseite (Einkaufsgemeinschaften und die Einkäufer in den Kliniken) möglichst effektiv zu verwirren. Wie dem auch sei, die bisherigen Bemühungen der Einkaufsgemeinschaften, dieses Konditionenwahnsinn zu vereinfachen, sind leider an vielen Stellen weiterhin erfolglos geblieben.

Der Einsatz von zukünftigen automatisierten Verfahren im Einkauf einer Klinik wird davon abhängig sein, die Preismodelle der Anbieter in einem solchen System abbilden zu können. Damit würde die, oftmals auf der Industrieseite gefürchtete Vergleichbarkeit hergestellt werden. Der erste Schritt könnte sein,  die Komplexität der Preismodelle als Merkmal der Dienstleistungsqualität eines Anbieters in die Lieferantenbewertung aufzunehmen. Denn die hochkomplexen Modelle sind einfach kundenunfreundlich.

Adam Pawelek
projectontime.de

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