Change Management im Krankenhaus – noch selten, fast wie ein Einhorn!

In vielen Kliniken scheint Change-Management so unbekannt zu sein, wie ein Einhorn. Schon mal davon gehört, aber noch nie gesehen. Es hilft wenig, hohe Prämien für neue Mitarbeiter zu bezahlen, wenn sie nach kurzer Zeit die Klinik wieder verlassen. Denn ein Umdenken tut not!Die Veränderungen in den Kliniken nehmen kein Ende – beschweren sich viele Mitarbeiter. Und sie ahnen es: es wird auch so bleiben. Die Herausforderungen der Zeit sind vielfach beschrieben worden und werden bei jedem Kongreß aufs Neue diskutiert. Nur die Umsetzung läßt vielerorts auf sich warten. Dies kann und wird für einige Kliniken zum existenziellen Problem werden. Denn “Management-par-ordre-du-mufti” funktioniert selbst im Krankenhaus nicht mehr. Die Umsetzung von diversen Projekten – ob es um Digitalisierung geht, Umstellung des Bestellwesens oder Prozessoptimierung auf der Intensivstation – wird nur tatsächlich funktionieren, wenn alte Gewohnheiten durch neue Vorgehensweisen ersetzt werden. Schon John Maynard Keynes (1883-1946) wußte: “Die größte Schwierigkeit der Welt besteht nicht darin, Leute zu bewegen, neue Ideen aufzunehmen, sondern alte zu vergessen.”

Die Mitarbeiter abholen und mitnehmen – so ist die Devise. Aber wie geht das in der Praxis?

Zunächst muss den Mitarbeitern klar werden, dass es nicht mehr so weiter gehen wird, wie bisher. Dies erreicht man nur, wenn sie anhand von harten Fakten auch selbst einsehen können, dass andere Wege auch für sie besser sind. In jeder Klinik lassen sich ohne Probleme Mitarbeiter finden, die darauf “brennen”, endlich etwas zu verändern. Aber gerade diejenigen, die es kritisch sehen, müssen mitgenommen werden, damit die Veränderung später gelebt wird. Denn Widerstand ist im Change positiv!

Dann muss ein Change-Konzept erstellt werden, optimalerweise bei jedem neuen Projekt. Hierzu gehören u.a. solche Themen wie Stakeholderanalyse, Beschreibung des angestrebten Nutzens (nicht nur für die Geschäftsführung..), kurze Analyse der Unternehmenskultur u.v.m. Hier kann auch mit Hilfe eines erfahrenen Change-Experten ein “Baukasten” gebaut werden, der für weitere Projekte in der Klinik genutzt wird. Der Aufwand läßt sich sehr gut an das jeweilige Projekt anpassen, damit er überschaubar bleibt.

Die Kommunikation während der gesamten Projektdauer ist das A und O. Gerade hier kommt es zu den meisten Problemen. An manchen Stellen ist der Einsatz eines externen Mediators vorteilhaft, um alte Animositäten abzubauen. Gerade eine effektive Teamarbeit ermöglicht bei Veränderungsprojekten die besten Erfolge.

Für die praktische Umsetzung am Point-of-care werden “Kümmerer” benötigt, die sog. Change-Agent´s. Diese Mitarbeiter, die neben Ihrer eigentlichen Tätigkeit für die Begleitung der Change-Prozesse zuständig sind (und dafür auch Zeit bekommen müssen), helfen den Kollegen und dienen der Projektgruppe als wichtige Informationsquelle über die aufgetretenen Probleme in der Praxis.

Damit Change-Management in der Klinik nicht weiterhin so selten bleibt wie ein echter Einhorn (von der Einhorn-Schokolade abgesehen), muss auch der Druck “von unten” auf die Geschäftsführung der Kliniken erhöht werden. Denn jede Veränderung fängt oben an!

Ihr
Adam Pawelek
project on time

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