Der Faule darf nicht dumm sein!

Faulheit wird im Allgemeinen als eine negative Eigenschaft gesehen, oft als Synonym zu “untätig” oder “zu wenig fleißig”. Manchmal ist “faul sein” aber gut und wünschenswert!

Sind wir nicht alle manchmal etwas faul? Aber wir wollen es auf keinen Fall zugeben. Ein “fauler Mitarbeiter” will ja möglichst wenig arbeiten und sucht nach Möglichkeiten, sein Ziel zu verwirklichen. Wirklich Faule sind oft sehr aktiv und umtriebig auf der Suche nach Möglichkeiten faul zu sein… Oft stellt sich aber die Frage: Ist man wirklich nur faul oder versucht man unnötige Arbeiten zu vermeiden. Der Faule darf also nicht dumm sein, sonst kann er seine Faulheit nicht optimal ausleben.

Diese Eigenschaft des Menschen ist prädistiniert für die Suche nach Optimierungsmöglichkeiten im Krankenhaus der Zukunft.

Die aus Japan stammende Philosophie der “ewigen Veränderung” wurde auch in Deutschland unter dem Namen “KAIZEN” bekannt. Es handelt sich dabei keinesfalls um eine neue Art von “Feng shui”, sondern vielmehr um eine wunderbar in der Klinik einsetzbare Methode der kontinuierlichen Prozessverbesserung. Gerade die sog. “drei Mu”: Muda, Mura und Muri geben die Philosophie kurz und prägnant wieder: Muda = Verschwendung, Mura = Abweichung von Prozessen und Muri = Überlastung von Mitarbeitern und Systemen, sind möglichst zu vermeiden.

Die Kritiker in den Krankenhäusern sehen oft Prozessoptimmierungen dieser Art als negativ an, weil die Methodik aus der Industrie stammt (Toyota) und damit im klinischen Alltag und Umgang mit kranken Menschen nichts zu suchen haben soll.

Nehmen wir ein einfaches Beispiel, um den Gegensatz zu beweisen: die Verschwendung. Davon haben wir in den meisten Kliniken sehr viel: unnötige, doppelte Diagnostik, ungenutzte Räume und Geräte, Wartezeiten von Ärzten, in Funktionsbereichen etc., Doppelerfassung von Daten, Nachbesserungen (z.B. Nachkodierung) u.v.m. Letztendlich führt diese Verschwendung an Zeit und Ressourcen nicht nur zu höheren Kosten, sondern vielmehr belastet die Mitarbeiter mit unnötigen Aufgaben. Oftmals ist nicht die steigende Bürokratie das Hauptproblem in der Medizin, sondern die teilweise nicht durchdachten Prozesse.

Hier sollte die Faulheit anders definiert werden: Der Faule darf nicht dumm sein und unnötige Aufgaben, die reine Verschwendung sind, verrichten.

Auf dem Weg wieder “faul” sein zu dürfen, aber im positiven Sinne, ist die Analyse der laufenden Prozesse in allen Klinikbereichen das A und O auf dem Weg zum Krankenhaus der Zukunft. Diese Analyse und Erarbeitung von Maßnahmen sollten von eigenen Mitarbeitern der Klinik (anfänglich ggf. mit Unterstützung eines externen Coaches für Change Management) in Angriff genommen werden. Denn dann werden die Maßnahmen auch in die Praxis umgesetzt.

Adam Pawelek

projectontime.de

 

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