Soll Alexa über Ihren Fußpilz Bescheid wissen?

Wir kleben die Kamera auf dem Laptop zu aber Alexa hört alles mit. Noch nur zu Hause, aber demnächst vielleicht auch im Krankenhaus. Wollen wir es wirklich?

Die digitalen Assistenten, wie Alexa, Siri, Google Assistant u.a., sind auf dem Vormarsch. Es ist die persönliche Entscheidung von jedem, der die Systeme einsetzt, wie er zum Schutz seiner persönlichen Daten steht.

Cayla – die freundliche Puppe –  ist erst im Februar dieses Jahres von der Bundesnetzagentur wegen Spionagegefahr verboten worden. Das nicht zuletzt wg. der Gefahr, dass sie unbemerkt zuhören und die “abgehörten” Informationen an den Hersteller weiterleiten könnte. [1]

Andere Maßstäbe sollten aber gelten, wenn solche Systeme in öffentlichen Räumen, wie z.B. in Krankenhäusern, eingesetzt werden. Selbstverständlich müssen automatische Systeme Eingang in die deutschen Kliniken finden, um sie in die Lage zu versetzen, die zukünftigen Herausforderungen zu meistern. Die Mediziner und die Pflege sollten sich nicht um logistische Prozesse, sondern um die Patienten kümmern. Diese sekundären Prozesse müssen zukünftig automatisiert werden, damit alles, was für die Behandlung eines Patienten benötigt wird (inklusive des Patienten selbst), am Ort der Behandlung einfach zur Verfügung steht. Einfach “Just-in-time” im Krankenhaus.

Man kann darüber auch streiten, ob zu viel Datenschutz und zu viele Mitbestimmungsrechte der Betriebs- bzw. Personalräte die Entwicklung einer Klinik so nachhaltig behindern könnten, dass diese schliessen muss. Oft hilft einfach miteinander zu reden.

Es sollte aber kritisch geprüft werden, wie genau die digitalen Assistenten funktionieren, die der Patient im Zimmer oder das klinische Fachpersonal auf der Station einfach mit der Stimme steuern können. Denn damit sie funktionieren, müssen diese “Dinge” die ganze Zeit zuhören, um aktiv zu werden. [2]

Das bedeutet aber auch, dass eine Alexa, die eigentlich nur die nächste Bestellung auslösen soll, fleißig das Gespräch zwischen dem Patienten und dem Arzt oder auch dem Priester verfolgt.

Diese Daten sind einfach für zu viele Gruppen Gold wert: Arbeitgeber des Patienten und des Klinikpersonals, Krankenkassen und vielleicht auch Terroristen.

Auch wenn beispielweise die Funktion “Flutrends” bei Google, die aus der Auswertung der Google-Suche in einem Gebiet die nächste Grippewelle voraussagen sollte, wieder eingestellt wurde, sehen wir ganz eindeutig “was alles so geht”. [3]

Die Möglichkeiten von “Big Data” werden oft stark unterschätzt. Die Akteure, die aus den Informationen über den Einzelnen Profit schlagen, werden ja nicht darauf hinweisen, was sie alles schon wissen. Und das soll keine neue Verschwörungstheorie werden, sondern nur ein Anreiz, darüber nachzudenken, was wir tatsächlich wollen und was nicht.

 

Adam Pawelek
projectontime.de

 

 

Quellen:

[1] https://www.tagesschau.de/inland/cayla-puppe-101.html

[2] http://www.handelsblatt.com/technik/gadgets/amazon-echo-im-test-wie-amazon-den-datenschutz-handhabt/14780870-3.html

[3] https://www.google.org/flutrends/about/#DE

 

 

 

Posted in Allgemein, Digitalisierung / Hospital 4.0, Management and tagged , , , , .

One Comment

  1. Sehr interessanter Artikel, Herr Pawelek! Mit dem Datenschutz haben Sie Recht. Das ist ein großes Thema, das viel Innovation im Krankenhaus verhindert. Teilweise auch zurecht. Aktuell entwickelt ein 17 jähriger Schüler aus Alexa-Softwarebasis eine Anwendung für das Krankenhauszimmer der Zukunft. Der Clou: die Daten gehen nicht zu Amazon. Er verwendet lediglich die Software Alexa, aber nicht die Hardware (Amazon Echo). Damit bleiben die Daten im Krankenhaus. Es funktioniert also auch teilweise, ohne dass die ganze Zeit zuhören muss.
    Der Entwickler spricht auf dem femak-Symbosium am 12.09.2017: https://www.zukunft-krankenhaus-einkauf.de/2017/07/05/das-femak-symposium-digitalisierung-der-patient-im-netzwerk/ Vielleicht haben Sie Zeit zu kommen? Stefan Krojer

Schreibe einen Kommentar